Bianchetti: Seine Leidenschaft soll den SRCV in die Play-offs bringen

(Quelle: Liechtensteiner Volksblatt, 11. Dezember 2014)

Er bringt südländisches Temperament in den Verein: Davide Bianchetti ist für den SRC Vaduz sowohl in menschlicher, als auch in sportlicher Hinsicht eine Bereicherung. Der italienische Spielertrainer will mit seiner grossen Begeisterung für den Squashsport das Umfeld mitreissen – und den SRCV in die Play-offs führen.

Spielertrainer Davide Bianchetti ist immer mit vollem Einsatz dabei und will den SRCV in die Play-offs führen.?(Foto: MZ)

Seit einigen Jahren ist Davide Bianchetti in der Vaduzer Squash-Szene eine feste Grösse. Als der Italiener im Januar 2011 als Spielertrainer verpflichtet wurde, damals noch als Weltnummer 65, sollte es der Auftakt einer äusserst erfolgreichen Zusammenarbeit sein. Etwas mehr als ein Jahr später stand Bianchetti mit dem SRCV im NLA-Finale gegen Schlieren – und sicherte sich in einem packenden Endspiel den Titel. Bianchetti hatte massgeblichen Anteil am Erfolg der Vaduzer. Auf Position 2 lieferte er sich mit dem Schlierner Julien Balbo ein Duell der Extraklasse. Unvergesslich, wie leidenschaftlich er um jeden Punkt kämpfte – und wie sein italienisches Temperament bei jeder strittigen Entscheidung des Schiedsrichters durchdrang. Am Ende sollte aber wohl gerade dieser unbedingte Siegeswille der Schlüssel zum Erfolg sein. Bianchetti gewann die Partie, der SRC Vaduz die Meisterschaft. Seit Anfang dieser Saison ist der 37-Jährige erneut Spielertrainer, nachdem zuvor David Heath für zwei Jahre übernommen hatte. Und eines ist klar: Er erwartet von seinen Mitspielern dieselbe Leidenschaft.
Im Gespräch mit dem «Volksblatt» spricht Davide Bianchetti über Vor- und Nachteile seines Temperaments, die sportliche Entwicklung beim SRC Vaduz und die Zielsetzungen für die laufende NLA-Saison.

«Volksblatt»: Davide Bianchetti, Sie blicken bereits auf viele Jahre Erfahrung zurück. Welche Gefühle kommen in Ihnen hoch, wenn Sie im Squash-Court stehen?

Davide Bianchetti: Vor wichtigen Partien war ich früher sehr nervös und angespannt – und das bin ich teilweise auch heute noch. Während des Spiels steigere ich mich regelrecht in das Match hinein, bin leidenschaftlich, je nachdem auch wütend. Wie meine Stimmung danach ist, hängt vom Ausgang der Partie ab. Siegen wir, bin ich überglücklich. Verlieren wir, bin ich niedergeschlagen. Mittlerweile ist das alles aber ein bisschen besser geworden. Ich bin ruhiger (lacht).

Sie waren schon immer ein sehr temperatmentvoller Spieler. Erachten Sie das als Vor- oder als Nachteil?

Es ist ein Vorteil, wenn man das Temperament kontrollieren kann. Das ist mir in meiner Karriere leider nicht immer gelungen. Dann wird es natürlich schnell zum Nachteil. Wenn du es übertreibst, verlierst du schnell die Konzentration und wertvolle Energie. Positiv ist das Temperament in Bezug auf den Siegeswillen. Ich persönlich hasse Niederlagen. Und das muss auch bei jedem so sein, der auf Profiebene Fuss fassen will.

Woher kommt diese Leidenschaft für den Squash-Sport?

Mein Vater hat vor rund 30 Jahren in Brescia einen der ersten Squash-Clubs in Italien gegründet. Ich war damals noch ein kleiner Junge – und bin dann automatisch in die Squashszene hineingerutscht. Schnell habe ich Turniere gespielt, auch auf internationalem Niveau. So wurde ich Profi-Spieler. Und das, obwohl ich eigentlich nie ein grosser Ballsportler war.

Sie sind vor Kurzem Vater geworden, haben gemeinsam mit der SRCV-Spielerin Julia Schmalz eine Tochter. Wie sehr hat das Ihr Leben verändert?

Meine Tochter gibt mir neue Energie. Vater zu werden ist eine komplett neue Erfahrung im Leben und mit gar nichts zu vergleichen. Wenn du ein Kind bekommst, rückt es plötzlich in den Mittelpunkt von allem. Es schenkt dir den Willen und die Motivation, alles anzupacken. Meine Tochter gibt mir neuen Antrieb, sicher auch in sportlicher Hinsicht. Ein Lächeln von ihr genügt, um den ganzen Tag glücklich zu sein. Sie ist wie ein Adrenalinschub für mich.

Sie sind in ganz Europa im Squash-Business tätig. Wie muss man sich Ihr Pensum vorstellen?

Ich war früher immer Vollzeit-Profi. Mittlerweile habe ich keine Klassierung mehr in der Weltrangliste (persönlicher Rekord: 24 Platz, d. Red.), aber ich bin immer noch in verschiedenen Ligen aktiv. Neben meiner Tätigkeit als Spielertrainer beim SRC Vaduz spiele ich auch noch für Clubs in Worms (De), London (Gb) und Rom (It). Zudem betreute ich drei Spieler aus Worms, die sich auf der Profitour beweisen möchten. Und: Wenn es die Zeit zulässt, unterstütze ich ein paar Mal im Jahr meinen Vater bei der Organisation von Sport-Projekten.

Sie spielen bereits seit Januar 2011 für den SRC Vaduz. Wie würden Sie die Entwicklung des Vereins seit ­Ihrer Ankunft beschreiben?

Vaduz verfügt über eine sehr gute Infrastruktur. Mir gefällt, dass es ein reiner Squash-Club ist – er konzentriert sich nur auf eine Sache. Wer in das Squash-House kommt, tut das, weil er diese Sportart liebt. Dieses familiäre Umfeld in Vaduz sagt mir sehr zu. Der Verein hat sich in den letzten Jahren sehr gut gemacht.

Wie beurteilen Sie das Niveau in der NLA?

Die Liga ist stark. Es gibt drei, vier Teams mit sehr guten Spielern. Auch wir in Vaduz haben mit Borja Golan einen Akteur von absolutem Weltklasse-Format in unseren Reihen. Die vielen ausländischen Spieler werten die NLA auf. Man muss aber auch sagen, dass sich die Schweizer Spieler ebenfalls immer mehr verbessern und so zu einer guten Entwicklung des Niveaus in der Liga beitragen.

Auch in diesem Jahr ist das Erreichen der Play-offs das grosse Ziel des SRC Vaduz. Was trauen Sie Ihrem Team in der aktuellen Saison noch zu?

Die Play-offs sind das absolute Minimum – aber wohl gleichzeitig auch das Maximum (lacht). Falls wir die Play-offs wirklich erreichen sollten, werden die Gegner wohl zu stark für uns sein. Wir würden dann ohne Legionär Golan antreten. Er wird nämlich mit Sicherheit nicht genügend Einsätze für uns vorweisen können, die ihm die Teilnahme an den Play-offs ermöglichen würden. Deshalb müssen wir die Dinge realistisch betrachten. Falls wir so weit kommen, werden wir aber versuchen, eine «bella figura» (gute Figur) abzugeben.

Der SRC Vaduz verfügt über einige gute Nachwuchsspieler – wie etwa Patrick Maier, der ebenfalls schon Einsätze in der NLA verbuchte. Stimmt Sie das zuversichtlich für die Zukunft?

Ja, die Nachwuchsarbeit ist der einzige richtige Weg für den Verein. Es braucht unbedingt junge Talente, die man aufbauen kann. Im Squash ist das enorm wichtig. Denn so einfach es klingt: Alle spielen besser, wenn sie jünger sind. Deshalb müssen wir gute Spieler schon früh erkennen und sie dann nochmals gezielt fördern.